Schlagwortarchiv: BZfE

Gesundheit-NAchrichten-Pressemeldungen

Corona fördert nachhaltigen Konsum

Marken können Märkte verändern

Die Corona-Krise wirkt sich auf viele Lebensbereiche aus. Ein Punkt ist, dass derzeit über 80 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher dauerhaft ihr Konsumverhalten verändern. Gleichzeitig hat die Markentreue mit 41 Prozent den bisher niedrigsten Stand erreicht, zeigt eine Untersuchung des Marktforschungsinstitut GfK und der Serviceplan Group.

Offenbar passt sich der individuelle Konsum an die sich wandelnden Wertevorstellungen an. Früher dienten Marken häufig der Selbstinszenierung. Sie sollten den Spaßfaktor erhöhen oder praktisch und bequem sein. Heute sind den Menschen Werte wie Geborgenheit und Nachhaltigkeit, aber auch Vertrauen und Regionalität wichtiger geworden. Umweltbewusstsein sowie soziale und gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen beeinflussen immer häufiger die Kaufentscheidung. Diese Trends spiegeln sich laut GfK in einer starken Verschiebung der Marktanteile von Marken wider, die im Zeitraum der Corona-Pandemie bei knapp 33 Prozent lag. Außerdem hat die Krise den Trend zur sinkenden Markenloyalität verstärkt. Heute bleiben 41 Prozent einer Marke treu, während es Ende der 1980er Jahre noch über 70 Prozent waren.

Verbraucherinnen und Verbraucher können durch einen bewussten Einkauf den Markt verändern. Denn die Nachfrage bestimmt das Angebot. Aber auch Marken können Konsummuster und Märkte transformieren. Eine Nachhaltigkeitsmarke braucht dazu eine starke Identität, erklärt Carsten Baumgarth, Professor für Markenführung an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Nur wenn die Werte tatsächlich gelebt würden und sich in der Unternehmenskultur widerspiegelten, sei die Marke glaubwürdig. Ein weiterer Punkt ist eine gute Kommunikation.

Da sich Nachhaltigkeit weder vor noch nach dem Kauf prüfen lässt, spielt Vertrauen dabei eine große Rolle. Das kann zum Beispiel durch unabhängige Siegel, Zertifizierungen und eine hohe Transparenz entstehen. Nicht zuletzt muss die Marke auch emotional begeistern, um bei der Kundschaft anzukommen. Wenn diese Punkte stimmen, könnten starke Nachhaltigkeitsmarken sogar Konsumbedürfnisse verändern, meint Baumgarth. Dann würden auch Wettbewerber ihre Strategien und Marktangebote anpassen, sodass der Markt insgesamt nachhaltiger werden kann. Die Zukunft wird zeigen, ob sich die beobachteten Tendenzen zu mehr Nachhaltigkeit fortsetzen und wir auch nach dem Krisenmodus bewusster konsumieren werden.

Heike Kreutz, www.bzfe.de

Weitere Informationen:

Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft (VHB)

https://vhbonline.org/vhb-experts

www.serviceplan.com/content/dam/shared-content/news/mediaplus/marken-roadshow-2021/MRS-Resümee_26082021_Deutschland.pdf

Informationen vom BZfE:

www.bzfe.de/nachhaltiger-konsum/orientierung-beim-einkauf/

Unterrichtsmaterial „Was hat mein Essen mit dem Klima zu tun?“, Bestell-Nr. 3659, Preis: 4,50 Euro, https://www.ble-medienservice.de/3659/was-hat-mein-essen-mit-dem-klima-zu-tun

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Herausgeberin: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Präsident Dr. Hanns-Christoph Eiden

Deichmanns Aue 29

53179 Bonn

Telefon: 0228 / 68 45 – 0

Internet: www.ble.de

E-Mail: info@ble.de

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Dr. Margareta Büning-Fesel, BLE

Redaktion:

Harald Seitz, BLE

Renate Kessen, BLE

Gesundheit-NAchrichten-Pressemeldungen

Überwiegend pflanzliche Ernährung

Nachhaltig, gesund und auch preiswerter?

In Industrieländern können Verbraucher offenbar viel Geld sparen, wenn sie sich überwiegend pflanzlich mit viel Vollkorn und Hülsenfrüchten ernähren. Die Lebensmittelkosten ließen sich um bis zu ein Drittel senken, lautet das Resultat einer britischen Untersuchung.

Für ihre Modellierungsstudie berechneten die Wissenschaftler der Universität Oxford anhand aktueller Lebensmittelpreise für 150 Länder die Kosten einer gesunden und nachhaltigen Ernährung. Es wurden sieben verschiedene Ernährungsformen ausgewählt, darunter eine ausgewogen flexitarische, pescetarische, vegetarische und vegane Ernährungsweise und an die landestypischen Bedingungen angepasst. Flexitarier essen nur gelegentlich Fleisch, während Pescetarier auf Fleisch, aber nicht auf Fisch verzichten.

In Ländern mit hohem bis mittlerem Einkommen sind gesunde und nachhaltige Ernährungsmuster im Vergleich zur derzeit üblichen Ernährungsweise durchschnittlich um 22 bis 34 Prozent preiswerter. Am wenigsten wird das Portemonnaie durch eine vegane oder eine vegetarische Ernährung mit reichlich Vollkorn und Hülsenfrüchten belastet. Eine flexitarische Kost mit wenig Fleisch und Milchprodukten senkt die Ausgaben um bis zu 14 Prozent, so die Berechnungen. Pescetarier, die Fisch aus nachhaltiger Aquakultur und reichlich Obst und Gemüse essen, haben dagegen um zwei Prozent höhere Lebensmittelkosten. Das liegt an den hohen Preisen für Fisch. Die Wissenschaftler geben zu bedenken, dass stark verarbeitete Produkte wie Fleischersatz sowie Speisen von Restaurants oder Lieferdiensten nicht in die Berechnungen einbezogen wurden.

In ärmeren Ländern, etwa auf dem indischen Subkontinent oder in Afrika südlich der Sahara sieht die Lage dagegen anders aus. Eine gesunde und nachhaltige Ernährung wäre zwar bis zu ein Viertel günstiger als eine typische westliche Kost, aber immer noch mindestens 18 bis 29 Prozent teurer als die dort übliche Ernährungsweise.

Eine gesunde und nachhaltige Ernährung könnte in zehn Jahren überall auf der Welt und für jeden erschwinglich sein, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt „The Lancet Planetary Health“. Dafür müsste aber insbesondere in ärmeren Ländern ein sozioökonomischer Wandel stattfinden, der mit weniger Verschwendung und gesundheits- und klimabewussten Preisen für Lebensmittel verbunden ist. Weitere Studien sind jedoch erforderlich, um die Resultate zu untermauern.

Heike Kreutz, www.bzfe.de

Weitere Informationen:

The Lancet Planetary Health, Bd. 5, Nr. 11, e797-e807, 2021 (DOI: https://doi.org/10.1016/S2542-5196(21)00251-5)

Orientierung für den Einkauf: Gesund, nachhaltig und preiswert?

www.bzfe.de/nachhaltiger-konsum/orientierung-beim-einkauf/gesund-nachhaltig-und-preiswert/

Unterrichtsmaterial „Was hat mein Essen mit dem Klima zu tun?“, Bestell-Nr. 3659, Preis: 4,50 Euro, https://www.ble-medienservice.de/3659/was-hat-mein-essen-mit-dem-klima-zu-tun

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Adipositas: Immer mehr Hochbetagte übergewichtig

Gesundheitsprobleme und eingeschränkte Lebensqualität

Immer mehr Deutsche leiden an Adipositas. Vor allem im höheren Alter steigt die Zahl der Betroffenen an, hat eine aktuelle Versorgungsatlas-Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung aufgedeckt. Die Untersuchung basiert auf Daten gesetzlich Krankenversicherter, die im Untersuchungszeitraum 2009 bis 2018 mindestens einen Arztkontakt hatten.

In Deutschland ist knapp ein Viertel der Erwachsenen stark übergewichtig, was zahlreiche Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Leiden zur Folge haben kann. Im Jahr 2009 erhielten 9,2 Prozent aller gesetzlich Krankenversicherten (Männer 7,3 %, Frauen: 10,8 %) die Diagnose Adipositas, während es im Jahr 2018 bereits 11,2 Prozent waren (Männer 9,5 %, Frauen 12,7 %). Das entspricht einem Plus von 22 Prozent (Männer 30 %, Frauen 19 %). Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Betroffenen. Besonders deutlich war die Entwicklung bei Hochbetagten. Bei den 85- bis 89-Jährigen lag der Anstieg sogar bei 80 Prozent: Bei Frauen erhöhte sich der Anteil von 8,3 auf 14,8 Prozent, bei Männern von 6,4 auf 12,9 Prozent.

Dagegen stieg die Diagnosehäufigkeit bei Kindern und Jugendlichen weniger stark an. Im Jahr 2018 wurde bei 4,6 Prozent der Mädchen und 4,7 Prozent der Jungen im Alter von 3 bis 17 Jahren ein starkes Übergewicht festgestellt. Das entspricht einem Plus von 8 Prozent bei Mädchen (2009: 4,3 %) und 15 Prozent bei Jungen (2009: 4,1 %). In einigen Altersgruppen haben sich seit Anfang des Jahrtausends die Werte sogar stabilisiert oder sind leicht zurückgegangen – etwa im Vorschulalter.

Übergewicht und Adipositas sind ein wachsendes Gesundheitsproblem. Offenbar gewinnt es in den letzten Lebensjahren an Bedeutung und kann neben anderen Faktoren für eine eingeschränkte Lebensqualität im hohen Alter verantwortlich sein. Die Autoren geben zu bedenken, dass bei Analysen mit Routinedaten die tatsächliche Häufigkeit oft noch unterschätzt wird. Die Zukunft wird zeigen, ob pandemiebedingt noch mehr Menschen eine Adipositas entwickeln.

Heike Kreutz, www.bzfe.de

Weitere Informationen:

www.versorgungsatlas.de

Versorgungsatlas-Bericht Nr. 21/10: https://doi.org/10.20364/VA-21.10

BMI-Rechner: Bin ich übergewichtig?

www.bzfe.de/bmi-rechner/

www.bzfe.de/extreme-adipositas-ein-zunehmendes-problem/

Heft „Genussvoll Kalorien sparen“, Bestell-Nr. 1637, Preis: 2,00 Euro, www.ble-medienservice.de/1637/genussvoll-kalorien-sparen

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Lebensmittel mit Vitamin D

Viel hilft nicht viel

Viele Lebensmittel sind mit Vitamin D angereichert, obwohl die Hersteller dafür keine Genehmigung haben. So lautet das Fazit eines Marktchecks der Verbraucherzentralen. Das ist bedenklich, da eine zu hohe Vitamin-D-Aufnahme der Gesundheit schaden kann.

In Deutschland dürfen grundsätzlich nur Margarine und Streichfette mit Vitamin D angereichert werden. Hersteller anderer Lebensmittelgruppen müssen dafür erst einen Antrag stellen. Für viele Produkte ist eine Vitamin-D-Anreicherung nicht wünschenswert, da sie ein ungünstiges Nährstoffprofil haben oder von der Bevölkerung in sehr unterschiedlichen Mengen verzehrt werden. Seit einigen Jahren dürfen bestimmte Lebensmittel wie Pilze, Hefebrot und Milch mit UV-Strahlen behandelt werden, wodurch sich mehr Vitamin D bildet. Sie gelten als neuartige Lebensmittel und werden vor der Zulassung auf ihre Sicherheit geprüft.

Für den Marktcheck haben die Verbraucherzentralen 112 Vitamin D-angereicherte oder UV-behandelte Lebensmittel im Handel untersucht – darunter Getränke, Milch- und Milchersatzprodukte, Cerealien und Süßigkeiten. Davon dürften 68 Produkte laut Verbraucherzentrale nicht auf dem Markt sein, da sie keine Erlaubnis für die Vitamin-D-Anreicherung hatten (61 %). Bei zehn weiteren Erzeugnissen war die Lage nicht eindeutig. Bei 13 Produkten wurden die empfohlenen Höchstmengen überschritten (21 %). So enthielten mehr als die Hälfte der Milchprodukte mehr Vitamin D als die empfohlenen 1,5 μg pro 100 g. Bei einem Kinder-Müsli (7 μg) und einem Riegel für Schwangere (25 μg pro 100 g) wurde der Höchstwert für Cerealien überschritten. Margarine und Streichfette sowie UV-behandelte Champignons und Brote mit UV-behandelter Hefe entsprachen den Vorschriften (höchstens 7,5 bzw. 10 μg Vitamin D pro 100 g).

Vitamin D wird sowohl über die Ernährung zugeführt als auch durch Sonnenlicht in der Haut selbst gebildet. In den Wintermonaten ist die Versorgung in unseren Breiten nicht ideal. Aber auch zu viel Vitamin D kann dem Körper schaden und zu Übelkeit und Erbrechen bis hin zu Nierenschäden führen. Die meisten Menschen brauchen keine angereicherten Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel, erklären die Verbraucherzentralen gleichlautend mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und dem Bundeszentrum für Ernährung. Wer täglich einen Spaziergang macht, kann schon seine Vitamin-D-Versorgung verbessern. Das wertvolle Vitamin ist auch in Seefisch, Eiern und Pilzen enthalten.

Heike Kreutz, www.bzfe.de

Weitere Informationen:

https://www.verbraucherzentrale.de/

https://www.dge.de/wissenschaft/faqs/vitamin-d/

Vitamin D – ein unterschätzter Mikronährstoff

https://www.bzfe.de/eifonline_vitamin_d_unterschaetzter_mikronaehrstoff.pdf

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DASH-Diät gegen „Herz unter Druck“

Nachhaltige Ernährungsumstellung und weniger Salz

Etwa ein Drittel aller Erwachsenen in Deutschland hat einen zu hohen Blutdruck (Hypertonie), laut Daten aus der „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ (DEGS1) des Robert Koch Instituts. In der höchsten untersuchten Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen sind es sogar drei von vier Erwachsenen. Etwa vier Millionen der Hypertoniker leiden daran, ohne es zu wissen – eine besorgniserregend hohe Dunkelziffer, so die Deutsche Herzstiftung. Denn Bluthochdruck ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Krankheiten.

Der Blutdruck wird in der Einheit „Millimeter Quecksilbersäule“ gemessen, abgekürzt mmHg. Die Messwerte werden stets paarweise angegeben. Dabei steht der höhere systolische Wert vorn und der niedrigere diastolische Wert hinten. Gemäß der Deutschen Hochdruckliga gelten Blutdruckwerte als

optimal, bei Werten unter 120/80 mmHg,

normal, bei Werten von 120-129/80-84 mmHg und als

noch normal, bei Werten von 130-139/85-89 mmHg.

Darüberhinausgehende Werte werden in unterschiedliche Bluthochdruck-Graden definiert. Unter dem Motto „Herz unter Druck“ wird vom 1. bis zum 30. November über Ursachen, Diagnose, Therapie und Gefahren des Bluthochdrucks für Herz und andere Organe informiert, so die Deutsche Herzstiftung. Generell können ausreichend Bewegung und eine langfristige Ernährungsumstellung dazu beitragen, erhöhte Blutdruckwerte zu senken. Bei letzterem sind Betroffene gut beraten, dem zu folgen, wofür es eine gute Evidenz gibt. Gut belegt ist die blutdrucksenkende Wirkung einer vornehmlich pflanzenbasierten Kost und der so genannten DASH-Diät, die die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt. Die Abkürzung steht für „Dietary Approach to Stop Hypertension“, zu Deutsch: „Diätetischer Ansatz zum Stopp von Hochdruck“. DASH ist allerdings nicht als eine Diät über einen gewissen Zeitraum zu verstehen, sondern vielmehr als eine generelle nachhaltige Ernährungsumstellung.

Wichtig sei zum einen die Gewichtsreduktion auf einen Body Mass Index (BMI) von 20 bis 25 kg/m²; denn zwischen Übergewicht/Adipositas und Bluthochdruck besteht ein enger Zusammenhang. Pro Kilogramm Gewichtsabnahme könne der systolische Blutdruck um rund 1 mmHg reduziert werden. Ein weiterer Faktor ist die Elektrolytzufuhr. Natrium und Kalium wirken gegensätzlich: Eine erhöhte Natriumzufuhr – Natriumquelle Nummer eins ist Speisesalz – erhöht den Blutdruck, kaliumreiche Kost senkt ihn. Während die Kaliumzufuhr hierzulande kein relevantes Problem darstellt, sieht es beim Natrium anders aus: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) schätzt die angemessene Zufuhr für Erwachsene auf 1,5 Gramm pro Tag. Gemäß der oben zitierten DEGS1-Studie sind es bei Frauen im Mittel jedoch rund 3,31 und bei Männern 3,94 Gramm pro Tag. Sechs Gramm Salz entsprechen bereits 2,4 Gramm Natrium. Auch wenn nicht alle Hypertoniker auf eine Kochsalzeinschränkung mit einer Blutdrucksenkung reagieren, ist es sinnvoll, die Ernährung sanft umzustellen und Salz zunehmend durch Kräuter und Gewürze zu ersetzen. Freilich darf man nicht übersehen, dass 75 bis 90 Prozent der täglichen Salzzufuhr aus verarbeiteten Lebensmitteln und dem Außer-Haus-Verzehr stammen. Hauptquellen sind Brot und Backwaren, Fleisch- und Wurstwaren, Milchprodukte und Käse, Fertiggerichte und natürlich salziges Knabbergebäck. Es gibt jedoch in allen Produktgruppen auch salzarme Varianten.

Neben der Salzreduktion besteht der Speiseplan zum größten Teil aus Gemüse und Obst. Hinzu kommen magere Milchprodukte und Fisch sowie Vollkornprodukte. Bei Fetten sind pflanzliche Öle wie Oliven-, Raps- oder Nussöle zu bevorzugen. Einschränkungen gibt es bei zuckerreichen Lebensmitteln, Fertiggerichten, Alkohol sowie bei rotem Fleisch, gesättigten Fettensäuren, Gesamtfett und Cholesterin.

Auch wer nicht 100 Prozent an das Ideal der Dash-Diät herankommt profitiert, denn jede Verbesserung der Ernährungsweise ist mit einer Senkung des kardiovaskulären Risikos verbunden, wie eine US-Studie zeigt.

Rüdiger Lobitz, www.bzfe.de

Weitere Informationen:

www.bzfe.de/lebensmittel/einkauf-und-kennzeichnung/die-nationale-reduktions-und-innovationsstrategie-der-bundesregierung/

https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Themen/Chronische_Erkrankungen/Blutdruck_DZHK.pdf?__blob=publicationFile

https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/hypertonie.pdf?__blob=publicationFile

www.herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/gesund-bleiben/bluthochdruck/was-ist-bluthochdruck

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Nachhaltige Ernährung als neuer Standard

Erkenntnisse aus der Nudging-Forschung

Welchen Beitrag kann Nudging für eine nachhaltige Ernährung und damit zur Erreichung unserer Klimaziele leisten? In einfachen Entscheidungssituationen einen verblüffend großen, wie einzelne Studien zeigen. So zum Beispiel Experimente in Kopenhagen, die untersuchten, wie sich in Konferenzeinladungen die Umkehrung der Standardeinstellung „Buffet mit Fleisch“ in „vegetarisches Buffet“ auswirkte. Bei der ersten Variante beließen es in Summe 94 Prozent der Teilnehmenden bei diesem Vorschlag und nur 6 Prozent bestellten eine vegetarische Verpflegung. Bei der zweiten Variante verhielt es sich genau anders herum: 87 Prozent akzeptierten das vegetarische Buffet und 13 Prozent bestellten explizit Fleisch.

Dieses Beispiel zeigt, wie einfach, effektiv und kostengünstig sich Menschen zu einem gewünschten Verhalten „anstupsen“ lassen – und zwar bei völliger Transparenz und Erhalt ihrer Wahlfreiheit. Es brauche jedoch noch mehr empirische Forschung, um die wirksamsten Nudges herauszufinden und ihre Effekte zu beziffern, betonte Dr. Jan Michael Bauer von der Copenhagen Business School auf dem 5. BZfE-Forum. Denn es mache einen großen Unterschied, ob jemand beispielsweise nur für sich zwischen zwei Speisenoptionen zu wählen hat oder in einem Supermarkt mit riesiger Auswahl für die ganze Familie einkauft. Kurz: Je komplexer der Entscheidungsprozess, umso schwieriger ist es, Verhalten vorherzusagen und die Entscheidungsarchitektur gezielt in Richtung Nachhaltigkeit zu gestalten.

Insgesamt sieht Bauer jedoch großes Potenzial im Nudging und einer nachhaltigkeitsorientierten Ausrichtung des Ernährungsumfelds. Es kann dabei helfen, die höheren Ziele Nachhaltigkeit und Gesundheit mit unserem weitgehend impulsgesteuerten und gewohnheitsmäßigen Verhalten in Einklang zu bringen. Natürlich ist Nudging nicht als alleinige Lösung gedacht. Es kann klassische Instrumente wie Verbote, Steuern, Preisanreize, Information und Bildung jedoch ergänzen. Dabei zeichnet sich im Bereich der gesunden Ernährung ab: Am besten funktionieren Nudges, die ganz konkret am Verhalten ansetzen. So sank nach Berechnungen einer Meta-Analyse von 90 Studien der Kalorienverbrauch durch kleinere Portionen um 18,4 Prozent und durch eine bessere Erreichbarkeit der kalorienärmeren Alternativen um 11,6 Prozent. Danach folgten das Hervorheben hedonistischer Aspekte wie guter Geschmack mit einer Reduktion um 10 Prozent und Gesundheitsaspekte mit 7,5 Prozent.

Die oft geäußerte Kritik der Bevormundung oder gar Manipulation von Verbraucherinnen und Verbrauchern sehen diese selber übrigens nicht zwangsläufig. In einer repräsentativen Umfrage in Deutschland befürworteten über die Hälfte der Befragten einzelne Nudges und Eingriffe in die Entscheidungsarchitektur als Maßnahme der Gesundheitsintervention. Dazu gehörten die Abschaffung von Süßigkeiten im Kassenbereich von Supermärkten und verpflichtende Kalorienlabel in Schnellrestaurants. Sogar den in den Medien stark kritisierten Veggie-Day in öffentlichen Kantinen fanden knapp über 50 Prozent in dieser Befragung gut.

Gabriela Freitag-Ziegler, www.bzfe.de

Quellen und weitere Informationen:

https://www.researchgate.net/publication/337680442

https://www.researchgate.net/publication/318420196

https://www.researchgate.net/publication/305944679

Nudging arbeitet mit Anreizen statt Verboten

bzfe.de/ernaehrung/ernaehrungskommunikation

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Genbasierte Ernährungsempfehlungen zur Gewichtsreduktion

Wissenschaftlich bisher nicht belegt

Allgemeine Empfehlungen zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung sind weithin bekannt. Die personalisierte Ernährung geht jedoch über diese Empfehlungen hinaus: Durch die Anpassung der Ernährung auf das Individuum – gewissermaßen geprägt durch die Blaupause des Humangenoms – soll Krankheiten vorgebeugt und das Wohlbefinden gesteigert werden. Doch wie weit ist die Wissenschaft und wie lassen sich personalisierte Ernährungskonzepte in den Alltag integrieren? Eine Standortbestimmung zu diesem Themenkomplex nahm kürzlich die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), Heilbronn, vor und lud zu einem Fachkongress ein: „Personalisierte Ernährung – Anwendungsreife auf dem Prüfstand“.

Personalisierte Ernährung sei bisher eindeutig eine Eliteernährung, so Professorin (emeritiert) Hannelore Daniel, in ihrer einleitenden Moderation; getrieben von den Life-Sciences, und eindimensional auf Gesundheit ausgerichtet. Dabei ignoriere sie meist ganz viele Lebensumstände, die wichtig für die Compliance sind, also die Bereitschaft eines Patienten zur aktiven Mitwirkung an therapeutischen Maßnahmen. Wenn man Menschen dazu bewegen möchte, ihr Ernährungsverhalten zu ändern, müsse man genau wissen, was sie mögen und was sie nicht mögen. Das sei wichtiger als Kenntnisse von eigenen Genvarianten und den damit verbundenen (statistischen) Risiken, so Daniel.

Einen Aspekt, nämlich den der genbasierten Ernährungsempfehlungen zur Gewichtsreduktion beleuchtete Dr. Christina Holzapfel vom Klinikum rechts der Isar, Institut für Ernährungsmedizin, Technische Universität München (TUM). Es gebe zahlreiche Angebote genbasierter Ernährung, so Holzapfel. Schaue man sich jedoch die jeweiligen Homepages dieser Anbieter an, so zeige sich, dass es dort viel um Lebensstile geht, wobei die Energiereduktion eine wesentliche Rolle spiele, plus Coaching und Feedbackinstrumente. Am Ende gehe ein Erfolg eben nicht auf die Genetik zurück, sondern auf die Kalorienrestriktion, auf Grundlage der Empfehlungen der jeweiligen Anbieter. Mit anderen Worten: Es gibt bis dato „keine Evidenz für einen klinischen Zusammenhang zwischen Genetik, Energie-, Kohlenhydrat- und Fettzufuhr“.

Und was meint die Allgemeinbevölkerung? Die TUM führte im Rahmen der Nachwuchsgruppe „Personalisierte Ernährung & eHealth“ hierzu eine repräsentative Umfrage durch (1.003 Erwachsene als repräsentatives Kollektiv plus 354 Erwachsene mit Adipositas). Demnach meinen rund 40 Prozent der Befragten, den Begriff ‚personalisierte Ernährungsempfehlungen‘ zu kennen, beim Begriff ‚genbasierte Ernährungsempfehlungen‘ sind es fast 20 Prozent. Mehr als 55 Prozent meinen, dass genbasierte Ernährungsempfehlungen ein effektives Konzept sind und nahezu 35 Prozent der Befragten können sich vorstellen, eine genbasierte Ernährungsempfehlung in Anspruch zu nehmen.

Die Frage ist, woher kommt die Idee der genbasierten Ernährung und wie lässt sich die Diskrepanz zwischen Anbietern, Verbraucherinnen und Verbrauchern und der Wissenschaft erklären? Es gibt Belege dafür, dass das Körpergewicht eine genetische Komponente hat. Die Schätzungen gehen von einer Heritabilität von 50 bis 90 Prozent aus. Die Heritabilität ist ein Maß für die Erblichkeit von Eigenschaften, bei deren phänotypischer Ausbildung (das äußere Erscheinungsbild betreffend) sowohl die Gene als auch Umwelteinflüsse eine Rolle spielen. Bezüglich der Gene zeigt das so genannte FTO-Gen (fat mass and obesity associated) bislang den stärksten Einfluss auf das Körpergewicht. Wer allerdings – vereinfacht ausgedrückt – das Risikoallel (Ausprägung) sowohl von Vater als auch Mutter vererbt bekommt, wiegt gerade mal drei Kilogramm mehr als derjenige ohne das Risikoallel. Das heißt, ein Effekt von drei Kilogramm erklärt am Ende nicht Übergewicht und Adipositas in Deutschland und weltweit. Es sind bis dato sehr viele einzelne Genlozi (Genorte; die physische Position eines Gens im Genom) identifiziert, die mit dem Körpergewicht vergesellschaftet sind, aber jeder einzelne Genort hat nur einen sehr kleinen Effekt. Die genbasierte Ernährung sei aktueller Forschungsgegenstand; eine genbasierte Ernährungsempfehlung auszusprechen, sei aufgrund der derzeitigen Datenlage nicht sinnvoll, da momentan nicht evidenzbasiert, so die Münchner Wissenschaftlerin Holzapfel.

Rüdiger Lobitz, www.bzfe.de

Weitere Informationen:

food-management.online/perse

www.heilbronn.dhbw.de/perse.html

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Radicchio in der Küche

Wie wird der Blattsalat milder?

Radicchio bringt Farbe und eine interessante Würze auf den Teller. Der herb-bittere Blattsalat lässt sich gut mit milden Sorten wie Eisbergsalat, verschiedenem Gemüse und Früchten wie Orangen und Äpfeln kombinieren. In der italienischen Küche wird Radicchio auch gerne warm gegessen – etwa auf der Pizza, in Pasta und Risotto.

Für eine einfache Beilage werden die Blätter klein geschnitten und wenige Minuten gedünstet. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit etwas Balsamicoessig beträufeln. Radicchio schmeckt aber auch mit Parmesan überbacken oder gefüllt mit Frischkäse und frischem Thymian. Allerdings sollte er nicht zu lange garen, da er sich ansonsten dunkel verfärbt und seine Vitamine verliert.

Ein italienischer Küchenklassiker ist Risotto al Radicchio. Dafür eine fein gehackte Zwiebel in etwas Butter glasig dünsten, Risotto-Reis hinzugeben und mit Rotwein ablöschen. Wenn der Wein verdampft ist, mit heißer Gemüsebrühe aufgießen. Der Reis sollte immer bedeckt sein. In Streifen geschnittenen Radicchio hinzufügen und weiterköcheln, bis der Reis gar ist. Mit Salz und Pfeffer würzen und frisch geriebenen Parmesan sowie etwas Butter unterrühren.

Radicchio gehört zur Zichorienfamilie und ist eng mit Chicorée und Endivie verwandt. In Deutschland wird vor allem der runde Sommerradicchio angebaut, der nach der italienischen Region Chioggia in Venetien benannt ist. Die purpurroten Blätter sind von weißen Blattrippen durchzogen. Nur die fest geschlossenen Innenköpfe kommen auf den Markt. Radicchio hat im Vergleich zu anderen Blattsalaten eine deutliche Bitternote. Die enthaltenen Bitterstoffe (Intybine) fördern die Verdauung und regen den Appetit an. Weitere positive Inhaltsstoffe sind Vitamin C, Vitamin A und B-Vitamine sowie Mineralstoffe wie Eisen, Kalium und Kalzium.

Vor der Zubereitung werden welke Blätter entfernt. Anschließend den Strunk keilförmig herausschneiden, die einzelnen Blätter lösen und in mundgerechte Stücke zupfen. Wer den bitteren Geschmack mildern möchte, kann die dicken Blattrippen entfernen. Es hilft auch, die Blätter vor dem Zerkleinern kurz in lauwarmes Wasser mit einem Schuss Essig einzulegen.

Achten Sie beim Einkauf auf Qualität. Die Köpfe sollten geschlossen und die Blätter frisch und knackig sein. Radicchio ist länger haltbar als andere Blattsalate. Im Kühlschrank bleibt er rund eine Woche frisch, wenn er in ein feuchtes Tuch eingeschlagen wird.

Heike Kreutz, www.bzfe.de

Weitere Informationen:

www.bzfe.de/lebensmittel/vom-acker-bis-zum-teller/salate

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Chips versus Apfel

Ist unser Gehirn auf Energie getrimmt?

Immer mehr Menschen leiden an Übergewicht. Auch wenn es viele Gründe dafür gibt, könnte einer davon in unserem Gehirn liegen. Offenbar können wir uns besser an kalorienreiche Lebensmittel erinnern, haben Untersuchungen der Wageningen University in den Niederlanden gezeigt. Diese „Programmierung“ ist vermutlich ein Erbe der Evolution. In der Zeit der Jäger und Sammler sicherte es das Überleben, Orte mit energiereichen Nahrungsressourcen effizient wiederzufinden.

Für ihre Doktorarbeit führte Rachelle de Vries verschiedene Online-Experimente und Versuche in realitätsnahen Situationen durch, an denen insgesamt über 1.000 Probanden aus den Niederlanden, aber auch aus Japan und den USA beteiligt waren. Die Teilnehmenden mussten zum Beispiel in einem Labyrinth den Ort von kalorienreichen Lebensmitteln wie Pommes frites oder Chips und kalorienarmen Alternativen wie Obst und Gemüse wiederfinden. Zudem wurde untersucht, wie sich das möglicherweise verzerrte Raumgedächtnis auf Essverhalten, Lebensmitteleinkauf und den Körpermassenindex (BMI) auswirken könnte.

Offenbar kann sich das Gehirn besser an Orte von Lebensmitteln mit einem hohen Kaloriengehalt erinnern. Der Zusammenhang war unabhängig davon, ob die Getesteten die Produkte mochten oder besonders vertraut mit ihnen waren.

Aber wie beeinflusst diese Tendenz unseres Gehirns das Ess- und Kaufverhalten? Die Zusammenhänge sind vielschichtig: Auch wenn sich das Gehirn Orte von energiereichen Lebensmitteln besser merkt, konnten die Probanden sie nicht in kürzerer Zeit finden. Der Schlüssel liegt vermutlich in der Wahrnehmung: Ist kalorienreiche Nahrung leicht zugänglich, werde sie auch eher gekauft oder die Menschen besuchten häufiger ein Fast-Food-Restaurant, nimmt de Vries an. Und das würde sich auch im Körpergewicht niederschlagen.

„Allerdings können wir immer noch gesunde Essentscheidungen treffen, indem wir uns kontrollieren“, erklärt de Vries. Das gelingt aber nicht jedem gleich gut, und es hängt viel von der eigenen Motivation ab. Die Experimente haben gezeigt, dass Menschen mit mehr Selbstkontrolle auch besser gegen die negativen Effekte der Präferenz für energiereiche Kost geschützt sind. Heutzutage sind kalorienreiche Lebensmittel leicht zugänglich und im Überfluss vorhanden. Wenn sich das Ernährungsumfeld ändern würde, wäre es leichter, gesunde Essentscheidungen zu treffen.

Heike Kreutz, www.bzfe.de

Weitere Informationen:

https://doi.org/10.18174/547038

www.bzfe.de/ernaehrung/ernaehrungswissen/gesundheit/wie-emotionen-unser-essen-beeinflussen/

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Lebensstilinterventionen bei älteren Menschen mit Adipositas

Barrieren und Motive sind komplex

Das sogenannte „Obesity Paradox“ hat die Grundannahme, dass ein höheres Gewicht im Alter protektiv (schützend) sei und mit einem geringeren Sterberisiko verbunden ist – eine höchst umstrittene medizinische Hypothese. Auch im Alter ist Übergewicht mit weitreichenden gesundheitlichen Folgen verbunden.

Zudem gewinnt der Umgang mit Adipositas im Alter aufgrund steigender Prävalenzzahlen zunehmend an Bedeutung. Etwa ein Drittel der über 60-jährigen Menschen in Deutschland ist von Adipositas betroffen. Therapeutische Ansätze zur Gewichtsreduktion basieren vorwiegend auf Lebensstilinterventionen – Ernährung, Bewegung und Verhalten.

Allerdings mangele es an konkreten Empfehlungen zu Art, Modalität und Dosis entsprechender Programme, so Dr. Daniel Schöne vom Institut für Innere Medizin der Universität Erlangen anlässlich eines kürzlich stattgefundenen Online-Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG).

Der Wissenschaftler machte deutlich, dass im Alter dem Nutzen einer Gewichtsabnahme auch mögliche Risiken gegenüberstehen.

Vorteile: weniger Gelenkprobleme und kardiometabolische Erkrankungen (d. h. Herz und Stoffwechsel betreffend) und die Atmungsfunktion verbessern sich, chronische Entzündungen nehmen ab, die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität steigen, funktionelle Einschränkungen werden weniger.

Risiken: ein möglicher Verlust von Muskelmasse und -kraft, die Knochendichte sinkt, das Frakturrisiko steigt, das Risiko einer Gebrechlichkeit nimmt zu und Mangelernährung droht.

Die potenziellen Probleme einer Gewichtsreduktion seien immer mit zu berücksichtigen. Nach derzeitiger Datenlage sollte eine nachhaltige Adipositas-Therapie immer Ernährung und Bewegung kombinieren, so Schöne und verwies auf die Ergebnisse einer Studie mit 107 adipösen Patienten im Alter von 70 Jahren. Verglichen wurden drei Interventionen: eine reine Gewichtsreduktion über Kalorienrestriktion (Verringerung um 500 bis 750 kcal/Tag) und Bewegungstherapie (3mal pro Woche) mit der Kombination beider Methoden. Über eine Kalorienrestriktion gelang es zwar abzunehmen und das Gewicht zu halten. Die Kombination mit Bewegung war aber notwendig, um den Abbau von Muskelmasse in Grenzen zu halten und um die körperliche Funktionalität deutlich zu verbessern. Die Studie zeigte auch, dass bei der Bewegung eine Kombination von Ausdauer- und Krafttraining am besten geeignet ist.

„Gewichtsreduktion ist für ältere Menschen mit Adipositas ein ambivalentes Thema und die Barrieren und Motive sind komplex“, fasst Dr. Eva Kiesswetter von der Universität Erlangen und Kollegen die ersten Projektergebnisse einer interdisziplinären systematischen Übersichtsarbeit zusammen – Effective SLOPE (EffectS of Lifestyle interventions in Older PEople with obesity = Effekte von Lebensstilinterventionen bei älteren Menschen mit Adipositas). Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt zeigt, dass ältere Menschen mit Adipositas andere Motive und Barrieren für eine Gewichtsabnahme haben als jüngere Erwachsene.

Kiesswetter und Kollegen identifizierten folgende Pro-Positionen zur Gewichtsabnahme:

Sozialer Einfluss: Kritik/Lob nahestehender Personen, gemeinsame Ziele, Stigmatisierung, ärztliche Empfehlungen.

Gesundheitsprobleme: funktionelle Gesundheit, Erhalt der Selbständigkeit, orthopädische und kardiovaskuläre Erkrankungen und Stoffwechselerkrankungen.

Ästhetik: Frustration über Kleidergrößen, Unzufriedenheit mit dem eigenen Körperbild.

Innerer Druck: Wille zur Veränderung, Streben nach mehr Selbstbestimmung.

Partizipation: durch Abnehmen Kontakte knüpfen, das soziale Umfeld erweitern.

Deutlich wurde aber auch, wo die Barrieren für eine Gewichtsabnahme liegen:

Sozialer Einfluss: Kritik an der Gewichtsreduktion durch nahestehende Personen, Partner, aber auch ärztliche Empfehlungen gegen das Abnehmen.

Gesundheitsprobleme: Angst vor Nährstoffmangel und Muskelschwund, fehlende körperliche Reserven.

Geringere Lebensqualität: Zu viele Einschränkungen und Anstrengungen durch Gewichtsreduktion, Essen ist Genuss.

Zufriedenheit mit Gewichtssituation: Übergewicht wird nicht als Belastung empfunden oder die Einsicht fehlt, übergewichtig zu sein.

Alter: Veränderung der Motivation, gesellschaftliche Akzeptanz steigt.

Resignation/Frustration durch gescheiterte Versuche, abzunehmen.

Therapie-Empfehlungen für alte Menschen mit Adipositas unterschieden sich hinsichtlich ihrer inhaltlichen Komponenten – Ernährung, Bewegung, Verhalten – nicht grundsätzlich von etablierten Programmen für jüngere Erwachsene. Sie müssten aber altersspezifisch ausgestaltet werden, so Kiesswetter. So könnten beispielsweise folgende Aspekte eine Gewichtsreduktion unterstützen:

verhaltenstherapeutische Unterstützung, Stärkung der intrinsischen Motivation,

Gruppenangebote, einfache Maßnahmen zur Gewichtsreduktion, die eine Tagesstrukturierung unterstützen,

Unterstützung durch Fachkräfte (Coaching, Anleitung und individuelle Beratung, medizinische Betreuung).

Schlussfolgerungen: Die Berücksichtigung der identifizierten komplexen Gründe, Barrieren und Unterstützungsbedarfe sind Schlüsselkomponenten für Motivation und Therapieerfolg. Sie können zur Effektivität von Interventionen bei älteren Menschen mit Adipositas beitragen sowie die Auswahl patientenzentrierter Zielgrößen unterstützen.

Rüdiger Lobitz, www.bzfe.de

Weitere Informationen:

Internetseite von IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung www.in-form.de

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21449785/

https://www.iba.med.fau.de/forschung/effective-slope/

https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4910343?uac=392547SN&faf=1&sso=true&impID=3651711&src=WNL_mdplsfeat_210920_mscpedit_de#vp_3

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